Anzeige
Themenwelten Hamburg
Kosmetikerinnen sind sehr gefragt. Sie beraten zu Körper- und Schönheitspflege und führen Behandlungen durch

Hautnah am Kunden

Mareike Kipp hat an der Hamburger Berufsfachschule für Kosmetik eine Ausbildung absolviert. STEPHAN WALLOCHA

Anatomie, Warenkunde, Deutsch, Wirtschaft: Allein der Blick auf den Stundenplan macht nicht sofort klar,wer hier welchen Beruf erlernt. Mit Fächern wie Gesichtsbehandlung, Dermatologie oder Massage kommt man dem Ganzen vermutlich schon näher. Der Plan hängt in einem langen Flur, in dem die Türen offen stehen. Die Behandlungsstühle, die man in den Räumen sieht, erinnern an Zahnarztpraxen. Tatsächlich stehen sie aber in der Hamburger Berufsfachschule für Kosmetik(HBK), mitten auf dem Kampnagel-Gelände.

Statt Patienten gibt es hier Modelle. So heißen die Kunden, die ausschließlich von Auszubildenden behandelt werden. Apparative oder dekorative Kosmetik, Fußpflege oder Maniküre – an Hamburgs einziger staatlicher Ergänzungsschule ihrer Art lernen die Auszubildenden quasi am lebenden Objekt. Dozenten nehmen jede Behandlung ab. Die Kunden bezahlen für die professionelle Dienstleistung, wenngleich weniger als bei normalen Anbietern. Bei Mareike Kipp ist der Blick über die Schulter nur noch Formsache. Die Poppenbüttlerin steht kurz vor dem Ende ihrer zweijährigen Ausbildung. Einen Job sie bereits in der Tasche, bei einem Kosmetikstudio in Bramfeld. Dort wird sie ab Oktober auch als medizinische Fußpflegerin arbeiten. Das Thema hat es ihr in der viersemestrigen Ausbildung aus Theorie und Praxis besonders angetan. „Bei Füßen ist das Schöne, dass man direkt eine Veränderung sieht“, erklärt sie. Sie arbeite aber auch gerne mit apparativer Kosmetik, wie beispielsweise dem Microneedling. Dabei dringen die feinen Nadeln des elektrischen Dermarollers durch sanften Druck gleichmäßig tief und flächig in die Haut ein und hinterlassen mikroskopisch kleine Verletzungen. Die Haut reagiert darauf mit einem Selbstheilungsprozess und bildet somit neue Hautzellen, beziehungsweise Kollagen.

Wenn Mareike Kipp von ihrem Beruf spricht, versteht man, dass Kosmetikerinnen und Kosmetiker gerade auch bei Dermatologen gefragt sind. Für sie waren die exzellenten Berufsperspektiven ein wesentlicher Grund, sich bei der HBK zu bewerben,nachdem sie in ihrem ursprünglichen Beruf als Pferdewirtin keine Zukunft mehr sah. Die Ausbildung ist hier besonders vielfältig, die Komplexität aufgrund medizinischer, chemischer und wirtschaftlicher Inhalte sehr hoch. Die HBK, die ergänzend zur Berufsausbildung auch Weiterbildungen anbietet, ist weit über Hamburgs Landesgrenzen hinaus der einzige Bildungsträger, der neben der staatlichen Anerkennung auch eine AZAV-Zertifizierung (AZAV: Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) hat. Die Kosmetikerinnen der HBK – männliche Auszubildende gibt es zumindest hier nicht – sind daher auch in anderen Bereichen wie dem Tourismus in ganz Norddeutschland sehr gefragt, auch auf Kreuzfahrtschiffen.

„Zum Beispiel können Kosmetiker den Spa-Bereich eines Hotels leiten“, sagt HBK-Geschäftsführerin und Schulleiterin Cornelia Harms. Auch im Ausland seien die Chancen sehr gut.Dass bei Kosmetikern Fachkräftemangel herrscht, mag auch daran liegen, dass viele den Beruf falsch einschätzen. „Viele sehen nur das Verschönern und nicht, dass wir Hautkrankheiten behandeln“, sagt Kipp. Ein weit verbreiteter Irrtum sei, dass Kosmetik etwas mit Schönheitschirurgie zu tun habe. 50 Prozent der bis zu 100 Auszubildenden an der HBK wiederholen ein Semester, 30 Prozent brechen ab, berichtet Harms. „Je höher der Schulabschluss, desto besser.“ Die Voraussetzungen für den Beruf beschreibt sie so: „Kosmetikerinnen sollten kommunikativ sein,gute Umgangsformen haben, beraten können und empathisch sein.“ Auch handwerkliches Geschick sei gefragt. Der theoretische Teil der Ausbildung lässt sich mittlerweile auch online absolvieren – ein Vorteil für die Klientel der HBK, darunter viele alleinerziehende Mütter. Zwei Praxistage pro Woche sind verpflichtend. Der Abschluss der Berufsausbildung erfolgt mit einer Prüfung durch den Bundesverband Kosmetik und Fußpflegebetriebe Deutschlands e. V.

Eine Herausforderung der Ausbildung ist, dass sie von den Absolventen selbst bezahlt werden muss. Das Schulgeld beträgt 550 Euro im Monat. Bei Mareike Kipp wird es vollständig von der Agentur für Arbeit übernommen. Auch eine BAföG-Förderung ist möglich. Die Alternative zu diesem Modell ist eine dreijährige duale Ausbildung, bei der Kosmetiker an der staatlichen Berufsschule unterrichtet werden, dann jedoch zumeist gemeinsam mit anderen Berufen wie Friseuren. Tiefe und Breite seien mit der Ausbildung an der HBK nicht vergleichbar,finden Cornelia Harms und Mareike Kipp. BASTIAN HEBBELN

Job - Info

Ausbildungsdauer: 3 Jahre dual, 2 Jahre an der HBK
Voraussetzungen: ESA, Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Geschicklichkeit
Ausbildungsentgelt: im ersten Jahr 641 und im dritten Jahr 858 Euro. An der HBK gibt es kein Gehalt, stattdessen zahlt man Schulgeld (förderfähig).
Einstiegsgehalt: ca. 1600 bis 1900 Euro
Weiterbildungsmöglichkeiten: Make-up Artist, Fachwirt in Kosmetik und Wellness
Weitere Infos: www.die-hbk.de, www.ihk.de


Hautnah am Kunden Image 2

                                                     Unser Stellenportal für Hamburg und Umgebung

Weitere Artikel