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Feuerwehrleute müssen empathische Teamplayer sein. Außerdem sollten sie handwerklich und technisch fit sein

Wenn’s brennt, behalten sie einen kühlen Kopf: Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann am Flughafen Hamburg Airport

Dennis Kaufmann absolviert eine Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann am Hamburg Airport. STEFAN WALLOCHA

Dennis Kaufmann brennt für das, was er tut. Was nach einer bemühten Formulierung klingen mag – Dennis ist angehender Feuerwehrmann am Hamburg Airport –, trifft es genau. Denn in seiner Ausbildung hat der 23-Jährige die ideale Kombination seiner Leidenschaften gefunden: die Begeisterung für Flugzeuge und die Möglichkeit, Menschen in Not helfen zu können. „Sei tich mit fünf Jahren das erste Mal geflogen bin, haben mich Flugzeuge fasziniert, und als ich zur freiwilligen Feuerwehr gekommen bin, hat mich das geprägt. Also habe ich nach meinem Realschulabschluss geschaut, wie ich beides verbinden kann – und mich beim Flughafen Hamburg beworben.“ Denn als Flughafen mit der höchsten ICAO-Brandschutzkategorie können hier auch die ganz großen Flugzeuge wie der Airbus A380 landen. „Wir haben entsprechend lange Landebahnen, aber vor allem eine exzellente Werkfeuerwehr mit 88 Feuerwehrleuten“, sagt Dennis. Die Ausbildung der Werkfeuerwehrleute am Flughafen besteht aus zwei Teilen: Eine 18-monatige handwerklich-technische Ausbildung in den Bereichen Elektronik, Sanitär, Holzbau und Metallbau und weitere 18 Monate, in denen die Qualifikation zum Brandmeister und die Ausbildung zum Rettungssanitäter im Fokus stehen. Aktuell durchläuft Dennis die medizinische Ausbildung in der Notaufnahme des AK Harburg. „Um 6 Uhr morgens geht’s los mit allem, was die Nachtschicht nicht mehr geschafft hat: Materialien auffüllen und Zimmer herrichten. Wenn ein Rettungswagen kommt, helfen wir beim Umbetten der Patienten von der Liege aufs Krankenbett und nehmen alle relevanten Daten auf. Dann werden die Vitalwerte gecheckt: Blutdruck, Temperatur, Sauerstoff-Sättigung, und gegebenenfalls machen wir ein EKG.“

Das sei der „handwerkliche Teil“ seiner Arbeit. Viel wichtiger aber sei der Umgang mit den oft verängstigen Patienten und denen, die kein Deutsch sprechen. „Ich versuche über Gestik zu vermitteln, was ich jeweils tue, zeige ihnen also etwa die Spritze zu Blutabnehmen und rede mit ihnen, um sie zu beruhigen. Auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen, es geht darum zu transportieren: Sie sind in allerbesten Händen“, sagt Dennis. Empathie sei eine wesentliche Voraussetzung für den Beruf. Aber auch Teamfähigkeit, technisches Verständnis und Verantwortungsbewusstsein. „Das ist kein Beruf, den man mit dem Feierabendablegt“, weiß Dennis. Man entwickle einen Blick für Notfälle. „Ich war vor Kurzem Zeuge eines Verkehrsunfalls auf St. Pauli, und sofort hat mein Feuerwehrkopf übernommen. Ich habe mich um das Opfer auf der Straße gekümmert, von dem Unfallfahrer einen Verbandskasten eingefordert und Passanten aufgefordert, den Notruf zu wählen.“ Dennis Kaufmann, der im Augustins dritte Ausbildungsjahr gewechselt ist, sagt: „Feuerwehrleute sind keine Einzelkämpfer. 24-Stunden-Schichten schweißen zusammen, aber vor allem muss man sich im Ernstfall zu 100 Prozent aufeinander verlassen können.“

Seine erste Feuerprobe meisterte Dennis bereits zwei Wochen nach Ausbildungsstart – in der Brandsimulationsanlage des Flughafens. In dem Übungszentrum werden verschiedene Notfallsituationen trainiert – ob Cockpitbrand, Feuer in den Sitzreihen oder ein Triebwerksbrand. „Ein echter Triebwerksbrand würde bei uns die höchste Alarmstufe auslösen“, weiß Dennis. „So ein Feuer erzeugt große Hitze, und der Brand darf auf keinen Fall den Flugzeugrumpf mit den Treibstofftanks erreichen.“ Auch der Umgang mit den betroffenen Passagieren will gelernt sein. Darum ist körperliche Fitness ein entscheidendes Einstellungskriterium – und die wird in einem Sporttest geprüft. Neun Aufgaben erwarten die Bewerber, darunter Personenrettung (einen 75 Kilogramm schweren Dummy ziehen), Steigen einer dreiteiligen Schiebleiter oder ein 3000- Meter-Lauf. „Der Sporttest ist anspruchsvoll“, bestätigt Dennis. „Aber man weiß vorher, was genau verlangt wird, und kann entsprechend trainieren.“

Der körperlichen Fitness muss die geistige entsprechen. Feuerwehrleute müssen in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahren: Also hoch konzentriert und fokussiert löschen oder retten. „Während der 24-Stunden-Schichten in der Wache haben wir natürlich Ruhezeiten, wir haben sogar eigene Zimmer.“ Bei den Schichten im Rettungswagen kann das anders aussehen. „Es kommt vor, dass sich ein Einsatz an den nächsten reiht und kaum Zeit zum Durchatmen bleibt. Aber wir müssen natürlich trotzdem 100 Prozent geben.“ Wobei genau das ihn und seine Kollegen antreibt, in ihrem Beruf bewegen sie etwas. Sie retten Menschen. Übrigens: Auch weibliche Feuerwehrleute sind herzlich willkommen. Aktuell sind drei angehende Werkfeuerwehrfrauen unter den Azubis am Hamburg Airport. Wer zum Ausbildungsstart im August 2023 mit an Bord sein will, kann sich noch bis Ende September für die Werkfeuerwehr oder für einen der acht anderen Ausbildungsberufe am Hamburg Airport bewerben. YVONNE SCHELLER 
     

Job - Info

Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Voraussetzungen: körperliche Fitness, technisches Verständnis, handwerkliches Geschick, Teamfähigkeit, Empathie und Verantwortungsbewusstsein
Ausbildungsentgelt: im ersten Jahr 1068 und im dritten Jahr 1164 Euro bei der Werksfeuerwehr am Hamburg Airport
Perspektiven: sehr gut
Weiterbildungsmöglichkeiten: Fortbildung zum Brandschutzmeister oder Werkfeuerwehrtechniker, Studium
Weitere Informationen: www.hamburg-airport.de


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