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Kinderkrankenpfleger sind Fachkräfte, die im Krankenhaus eine wichtige Rolle spielen

Kleinen Patienten beim Gesundwerden helfen: Kinderkrankenpflegerinnen und Pflegefachfrauen am Altonaer Kinderkrankenhaus

Kerstin Maurer macht eine Ausbildung zur Kinderkrankenpflegerin im Altonaer Kinderkrankenhaus. STEPHAN WALLOCHA

Das rosarote Herz auf dem Namensschild von Kerstin Maurer ist ein Symbol. Es steht für Lebensfreude, Kreativität und Leichtigkeit. Obwohl die Zeit auf der Orthopädie im Altonaer-Kinderkrankenhaus (AKK) alles andere als leicht war für den kleinen Patienten, der es verklebt hat: Nach der Diagnose Krebs und einer Chemo wurde dem Siebenjährigen der Oberschenkelknochen ersetzt, er durfte wochenlang sein Bein nicht bewegen und nicht aufstehen. Als er endlich wieder im Rollstuhl saß,flitzte er über die Station, spielte Arzt und verzierte die Namensschilder der Pflegerinnen: „Ich kenne keinen Erwachsenen, der nach einer so schwierigen Zeit so eine Freude ausstrahlt“, sagt Kerstin Maurer

Es sind Geschichten wie diese, die der angehenden Kinderkrankenpflegerin ihren Beruf besonders schön und wertvoll machen. Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin hieß der Beruf noch, als Kerstin ihre Ausbildung 2019 antrat. Ein Jahr später wurde diese durch eine generalistische Pflegeausbildung ersetzt. Seither gibt es die Pflegefachfrau oder seltener den Pflegefachmann mit der Vertiefung Pädiatrie. Aber das klingt steif und schon gar nicht nach einem Traumberuf. Was also tun,wenn das Herz für die Arbeit mit kranken Kindern schlägt? „Sich in einem Kinderkrankenhaus bewerben“, rät Katharina Schumann, Leiterin der Stabsstelle für die betriebliche Aus-, Fort- und Weiterbildung im AKK. Zwar sei die theoretische Ausbildung jetzt breiter angelegt, aber die Praxiseinsätze in einem Kinderkrankenhaus würden nach wie vor bestimmt durch die Arbeit mit kranken Kindern – und ihren Eltern.

Kinderkrankenpflegerinnen haben es mit mehreren Personen gleichzeitig zu tun: den kleinen Patienten und ihren emotional belasteten Familienangehörigen. Eine Herausforderung, gerade für die Berufsanfänger, weiß Schumann: „Wir machen die jungen Leute fit dafür, auch in schwierigen Situationen zu kommunizieren und mit Widerständen umzugehen.“ Neben den Schulnoten, guten Deutschkenntnissen und der Motivation achtet dieLeiterinbeiderAuswahlder27Berufsanfänger pro Halbjahr daher auch auf die Fähigkeit, sich abzugrenzen und für Ausgleich zu sorgen. Schumann selbst versteht sich auch als „Kummerkastentante“ für alle135Azubis im Haus. Dass es so viele Auszubildende sind und das AKK eine eigene Anlaufstelle dafür ein gerichtet hat, zeugt von der Bedeutung: „Das sind die Fachkräfte von morgen“, so Schumann. Fachkräfte,die aber heute schon dringend benötigt werden. Das war auch Kerstins Erfahrung in ihrem ersten Praxiseinsatz im UKE.

„Der Personalmangel führt dazu, dass Azubis zu früh zu viel Verantwortung übernehmen müssen“, findet die 22-Jährige. Für das UKE hatte sie sich entschieden, weil es ihr in einem Praktikum auf der Frühgeburten-Station der Asklepios Klinik empfohlen worden war. Damals hatte die Abiturientin Feuer gefangen für den „Beruf an den Grenzen des Lebens“,wie sie sagt: „In der Schule beschwerst du dich, wenn ein Fach ausfällt, aber hier geht es um Leben und Tod, das war ein starker Kontrast.“ Nur noch eine weitere Mitschülerin in ihrem Jahrgang wählte eine Ausbildung, alle anderen waren noch unentschieden oder wollten studieren. Ein Lehrer riet Kerstin sogar von der Ausbildung ab,weil die Abiturientin ihre Potenziale nicht ausschöpfen würde. „Dabei ist es eine sehr anspruchs volle Arbeit“, kontert sie. Sinn voll noch dazu. Wenn nur die Bedingungen besser wären, es mehr Personal, mehr Pausen, mehr Anerkennunggäbe–und weniger Stress. Der machte es in ihrem Fall dem Coronavirus leicht, in ihren Körper einzudringen und zu bleiben: Seit ihrem Praxiseinsatz in der ambulanten Pflege, der Bestandteil der Ausbildung ist, leidet Kerstin an Long Covid. Erstübereine Reha, viel Nach denken und den Wechsel ins AKK bekam die Kinderkrankenpflegerin wieder Auftrieb: „Ich will die Ausbildung auf jeden Fall abschließen“, sagt Kerstin.

Durch ihre Fehlzeiten muss sie verlängern. Ihre einstigen Kommilitoninnen sind schon fertig. Dass nur ein einziger Mann die Ausbildung durch gezogen hat, bedauert nicht nur Kerstin. „Es tut den Teams gut, wenn wir mehr Männerin der Pflege haben“, sagt Katharina Schumann.

Wenn Kerstin es mit ihrer Gesundheit vereinbaren kann, will sie der Branche treu bleiben. Angebote ohne Schichtdienste und Wochenendarbeit aus der Tagesambulanz liegen ihr schon vor. In der Zusammenarbeit mit Diagnostik,OP und Anästhesie seien Pflegekräfte gefragt. „Wir sind die Anwälte der Kinder“, sagt Kerstin und rückt ihr Namensschild zurecht. Das mit dem Herz-Aufkleber über ihrem Namen. DEIKE UHTENWOLDT
 

Job-Info

Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Voraussetzungen: MSA, Empathie, Freude am Umgang mit Menschen, Belastbarkeit
Ausbildungsentgelt: im ersten Jahr 1200 Euro, im dritten Jahr 1400 Euro
Einstiegsgehalt: 2940 Euro, im Intensivpflegebereich mehr
Weiterbildungsmöglichkeiten: Fortbildung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen
Weitere Infos: www.arbeiten-am-akk.de


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