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Seit fast 40 Jahren kann jeder unsere Tierwelt rund um die Beobachtungsstation vorm Fährmannssander Watt ganz aus der Nähe betrachten

Wedeler Marsch: Dort wo sich Vögel wohlfühlen

Der Landschaftsökologe Marco Sommerfeld (l.) leitet seit 17 Jahren die Vogelstation des Naturschutzbundes (NABU). Gern führt er auch Gruppen. Ferngläser können in der Station ausgeliehen werden. Foto: Michael Rahn

Kiéwiehp – schrill und laut schallt der Ruf des hübschen, schwarz-weißen mitteilungsfreudigen Vogels über die Wiese. Am Brutplatz lässt er ein munteres „qui qui qui qui“ folgen, und mit dem Fernglas kann man gut seine roten Beine und einen langen, orange-roten Schnabel erkennen. 

„Das ist ein Austernfischer“, erklärt Marco Sommerfeld. Der Landschaftsökologe leitet seit 2005 im Auftrag des Naturschutzbundes (NABU) die Vogelbeobachtungsstation in der Wedeler Marsch. Freudig hat er in diesem Frühjahr wieder häufiger als in den Vorjahren das „kie-wi“ registriert, den Kontaktlaut des Kiebitz, der in diese Region gehört und es als Wiesenbrüter aber schwer hat, seinen Platz zu behaupten.

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Ein Paradies für Vögel

Fast 40 Jahre zieht es Naturfreundinnen und -freunde in die kleine Station an der Elbe. Waren es anfangs vor allem die Menschen aus Hamburg und der Region, die hierher kamen, ist die Beobachtungsstation mittlerweile international bekannt. „Die Wedeler Marsch gehört zu den ornithologisch am besten erfassten Gebieten Deutschlands“, sagt Stationsleiter Marco Sommerfeld stolz – ein Erfolg der vielen ehrenamtlichen Naturschützer, die sich in der NABU-Gruppe Wedel und dem Arbeitskreis Vogelschutzwarte Hamburg engagieren.

In den 70er-Jahren hatte sich die Gruppe gegründet. Zuerst ging es noch um den Protest gegen die Eindeichung der Marsch. Doch gegen die großen Maßnahmen für den Hochwasserschutz war nichts zu machen. Immerhin setzten sich die Naturschützer durch, dass die für den Deichbau genutzte Kleientnahmestelle vorm Fährmannssander Watt nicht zum Spaßgewässer eines großen Freizeitparks, sondern zum Ersatzlebensraum für die Vogelwelt erklärt wurde. Denn die Tiere, die auf ihrem ostatlantischen Vogelzug, der die Brutgebiete im Norden mit den Winterquartieren in Südeuropa und Afrika verbindet, das nahrungsreiche Fährmannssander Watt ansteuern, benötigen im Binnenland störungsarme Rastplätze.

Die Vogelstation des NABU in der Wedeler Marsch ist gut zu Fuß und per Fahrrad zu erreichen.
Die Vogelstation des NABU in der Wedeler Marsch ist gut zu Fuß und per Fahrrad zu erreichen.

Durch das Ausbleiben der regelmäßigen Überschwemmungen und durch die gleichzeitig wachsende Grundwasserentnahme waren die nach dem Deichbau binnendeichs liegenden Wiesen anfangs immer trockener geworden, sodass die Rast- und Brutvogelbestände sanken. Durch Einstau gelang es, die Region wieder stärker zu vernässen, sodass sich der Lebensraum für die Vogelwelt wieder deutlich verbesserte.

Erst aus einem Wohnwagen, der am Deichfuß parkte, und seit 1984 von einem flachen Holzbau direkt an den Gewässern heraus, wurden die rastenden und brütenden Vögel beobachtet. Gelenkt wurde die anfangs noch rein ehrenamtliche NABU-Gruppe mehr als 20 Jahre von Hans Jacobi. Der Kapitän zur See und spätere Professor für Seeschifffahrt prägte die Arbeit wie kaum ein anderer. Wedels Nabu-Gründervater Volquard Hahn und der studierte Kapellmeister Hans Duncker als begeisternder Vogelwelt-Erklärer gehörten ebenfalls über viele Jahre zu den Denkern und Lenkern der Station in der Wedeler Marsch.

Dank eines großen Sponsors aus der Optikbranche konnte die Arbeit 2005 professionalisiert werden. Der diplomierte Ökologe Marco Sommerfeld durfte als hauptamtlicher Leiter den umfangreichen Umbau der Station mitgestalten. Das Informationsangebot für die Besucher wurde erheblich ausgeweitet. Von drei weiteren Beobachtungsständen aus kann die Tierwelt seitdem noch besser erkundet werden – ohne die Vögel zu stören.

„Das Gewässer hat sich zu einem Paradies für Wasservögel entwickelt“, berichtet Marco Sommerfeld. Die Flachwasserzonen locken mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot Watvögel wie Bekassinen und Austernfischer an.

Im tieferen Wasser jagen Reiher- und Tafelenten, während die Grünflächen und Inseln vor allem als Brut- und Rastplatz genutzt werden. In diesen Wochen können zudem die Feldlerche und die Wiesenschafstelze gut beobachtet werden, während die große Zeit der Gänseschwärme langsam dem Ende zugeht – aber sie kommen wieder, spätestens im Herbst. mra

Anreise

Vom S-Bahnhof Wedel in die Bahnhofstraße, nach 50 Metern rechts in die Gorch-Fock-Straße, die Schulauer Straße überqueren, an der Badebucht Wedel (Freizeitbad) vorbei und über den Marinedamm bis zum Deich, weiter geht es an der Gaststätte Fährmannssand vorbei bis zur Station (zu Fuß stressfrei etwa 60 Minuten und per Rad etwa 25 Minuten).

Vogelkundliche Führung

Was singt denn da? Unter diesem Titel leitet Jens Sturm vom NABU Hamburg am Sonnabend, 11. Juni, eine Gruppe durch das Wedeler Autal, um Brut- und Gastvögel zu beobachten. Treffpunkt ist am Wedeler Bahnhof am Ausgang zu den Bussen um 19 Uhr. Anmeldung ist notwendig unter Telefon 040/607 08 90 oder info@nabu-hamburg.de. Um eine Spende wird gebeten.

Öffnungszeiten

Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag und Feiertage von 10 bis 16 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter hamburg.nabu.de

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