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Vom Laden für Weißwaren und Wäsche zum Fachgeschäft für den guten Schlaf

150 Jahre Betten-Schwen in Hamburg

Regina Schwen führt das Familienunternehmen in der fünften Generation Foto: wb

WashPoint Waschsalon

Geduld, Fleiß und Leidenschaft, antwortet Regina Schwen auf die Frage, worauf sie den Erfolg des Familienunternehmen „Betten-Schwen“ zurückführt, das sich seit nunmehr 150 Jahren mit Erfolg am Markt behauptet. Weitblick, Kreativität, Entscheidungsfreudigkeit möchte man beim Blick in die Geschichte eines der ältesten Wandsbeker Unternehmen hinzufügen. Es war am 1. Mai 1872, als Carl Joachim Schwen den Rat seiner Frau Catharina Dorothea in die Tat umsetzte und in einem Teil der Räume seines Zigarrengeschäfts an der Bleicherstraße (heute Kattunbleiche) Ecke Litzowstraße seinen Handel mit Weißwaren und Textilien eröffnete. Das Geschäft mit den Tabakwaren lief nicht mehr gut, seit die Dänen Mitte der 1860er Jahre Wandsbek verlassen hatten. 1894 wurde das Zigarrengeschäft geschlossen, der Handel mit den Weißwaren florierte. In Heimarbeit ließ Catharina Dorothea Schwen Schürzen und Wäsche herstellen und im Laden verkaufen. 1895 übernahm Heinrich Cuno Schwen das elterliche Geschäft und zog 1911 an den heutigen Standort an der Wandsbeker Marktstraße (damals noch Lübecker Straße) Ecke Litzowstraße um. Das Sortiment umfasste nun Bett- und Aussteuerwaren, Gardinen und Betten und hieß „Kaufhaus Heinrich Schwen“.

Betten Schwen

Viele Krisen gemeistert

Das Familienunternehmen hatte sich etabliert und überstand den Ersten Weltkrieg, die Inflation und die Weltwirtschaftskrise. 1938 traten die Söhne von Heinrich Schwen, Walter und Hans-Erich in die Firma ein. Auch diese dritte Generation zeichnete unternehmerischer Mut und Entschlossenheit aus. Als das Geschäft 1943 bei einem Bombenangriff dem Erdboden gleich gemacht worden war, setzten die Brüder alles daran, den Betrieb wieder aufzubauen. Weihnachten 1944 eröffneten sie auf den Trümmern einen kleinen Laden. Elf Jahre und mehrere Umbauten später war dann der Neubau fertig, in dem „Betten-Schwen“ bis heute beheimatet ist.

Regina Schwen führt das Familienunternehmen in der fünften Generation Foto: wb
Regina Schwen führt das Familienunternehmen in der fünften Generation Foto: wb

Mit Hans-Dieter Schwen, Sohn von Hans-Erich Schwen übernahm die vierte Generation 1962 die Leitung des Familienunternehmens und baute es zu einem Betten-Fachgeschäft aus. Mehr als 50 Jahre hielt er die Fäden in der Hand, beschäftigte 26 Mitarbeiter und freute sich, als 1989 Tochter Regina nach der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in das Unternehmen kam. 2019 zog sich der heute 84 Jahre alte Senior zurück und legte die Geschicke des Betriebes ganz in die Hand seiner Tochter.

Regina Schwen hat die Leidenschaft für ihren Beruf ihrer Vorfahren geerbt. Sie kann sich keinen anderen Job vorstellen. Sie steht, wie ihre fünf Mitarbeiterinnen, mit im Laden und berät die Kunden beim Kauf einer Matratze oder eines Schlafsysteme mit Lattenrost, Matratze, Zudecke und Kissen und macht Hausbesuche, um sich davon zu überzeugen, dass der Kunde die richtige Wahl getroffen hat und die Matratze seinem Schlafverhalten entspricht.

Beratungsintensive Produkte

„Es gibt kein immer passendes Universal-Bett“, sagt die Schlafexpertin: „Je nach Körperbau, Geschmack, Wohnverhältnissen, Schlafklima und eigenem sensitivem Empfinden muss das optimale Bett für jeden individuell gefunden und zusammengestellt werden.“ Wenn der Kunde zufrieden ist, ist sie es auch.

Die Zeiten sind schwierig, die Menschen geben ihr Geld eher für andere Dinge aus als für ein gutes Bett und schöne Bettwäsche. Auch die Konkurrenz im Internet nimmt weiter zu. Dass Betten-Schwen bis heute keinen Online-Shop hat, ist eine bewusste Entscheidung der Inhaberin. Sie hält das im Sinne der Nachhaltigkeit für kontraproduktiv (Stichwort: Retouren) und würde auch die persönliche Beratung der Kunden vermissen, die für sie das A und O ist.

15 Jahre will Regina Schwen noch arbeiten. Dann ist Schluss, auch für den Familienbetrieb. Eine sechste Generation gibt es nicht. Vielleicht verkaufe sie dann, sagt sie. Ein Gedanke, der noch Zeit hat zu reifen. Vorerst steht Regina Schwen weiterhin ihre Frau, mit Geduld, Fleiß und Leidenschaft und der väterlichen Maxime verpflichtet: „Was Du ererbst von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“ (Goethe).


Susana Mohr stellt aus

Bis zum 27. Mai ist die Ausstellung „Contradicción“ im Bezirksamt Wandsbek zu sehen. Das Wort stammt aus dem Spanischen und bedeutet Widerspruch beziehungsweise Widersprüchlichkeit. Die Künstlerin Susana Mohr reflektiert in den abstrakten Werken die Stimmungslage während der Corona-Pandemie. Zu sehen montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr und digital unter www.hamburg.de/wandsbek

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