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FRIEDRICHSGABE

Von der Armenkolonie zum modernen Stadtteil Norderstedts: Friedrichsgabe soll U-Bahn-Halt bekommen

Pastor Eckhard Wallmann mit Friedenseiche und Gedenkstein an der Quickborner Straße in Höhe der Hausnummer 107

Mit einem Sozialprojekt beginnt die Geschichte des jüngsten Gründungsorts von Norderstedt: Friedrichsgabe 

Der Fabrikant Johann Daniel Lawaetz aus Altona gründet 1821 eine Armenkolonie. Das Land auf der Harksheide erhält er vom dänischen König Frederik VI. Die neue Ortschaft, die damals zu Quickborn gehört, bekommt den Namen Frederiksgabe.
 

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Mit 20 armen Familien fängt es an. „Der Grundgedanke des Projekts ist, von der Landwirtschaft zu leben und nicht länger von Almosen abhängig zu sein“, erzählt Pastor Eckhard Wallmann. Er lenkt gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth seit 2003 die Johannes-Kirchengemeinde in Norderstedt-Friedrichsgabe. „Jeder sollte ein wenig darüber wissen, wo er lebt“, sagt Wallmann. Der Kirchenmann weiß viel, was sich um seine Kirche herum in den vergangenen 200 Jahren getan hat. Klar, dass er sich in der Friedrichsgaber Runde einbringt.
 

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Torf als zusätzliche Einnahmequelle

„Die alten Hofstellen entlang der Quickborner Straße sind noch nachweisbar“, berichtet Pastor Wallmann. Zur Grundsteinlegung der Schule 1823 reist sogar der König an. Die Bildungsarbeit funktioniert, aber der Heideboden ist wenig ertragreich. Wallmann erzählt: „So blieben die Kolonisten auf zusätzliche Einnahmen angewiesen. Wie in den Nachbarorten bot sich Torfgewinnung an.
 

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Mit Karren wurde der Torf nach Hamburg gebracht, auf dem Rückweg Unrat mitgenommen und auf den Feldern als Dünger verteilt. Auch Wilderei und Schmuggelei waren Einkommensquellen.“ 1873 wird das Sozialprojekt beendet. Jetzt dürfen die Kolonisten ihre Bauernhöfe kaufen und vererben. In der Kaiserzeit entwickelt sich Friedrichsgabe dank endlich florierender Landwirtschaft sehr positiv. Die alten Kolonistenhäuser werden durch neue Bauernhäuser ersetzt. Viele sind noch heute an der Quickborner Straße zu erkennen.
 

Verwaltung des Dorfes: Gemeindevorsteher Helmut Klute (2. v. l. 1877–1948) von der SPD, hier mit seiner Familie um 1920
Verwaltung des Dorfes: Gemeindevorsteher Helmut Klute (2. v. l. 1877–1948) von der SPD, hier mit seiner Familie um 1920

Eine Volksbibliothek entsteht

Während der Weimarer Republik leben in Friedrichsgabe etwa 600 Menschen. 1930 gründen Sozialdemokraten unter ihnen Bürgermeister Helmut Klute eine Volksbibliothek, deren Bücher die Nationalsozialisten 1933 öffentlich verbrennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelt sich die Einwohnerzahl durch Flüchtlinge. Der alte SPD-Gemeindevorsteher Klute wird wieder eingesetzt und kann Friedrichsgabe ans Bahnnetz anschließen. Nach seinem Tod wird Hermann Klingenberg zur prägenden Gestalt. Unter seiner Leitung entsteht das neue Zentrum mit Schule, Bücherei, evangelischem Gemeindehaus, Jugendzentrum und Rathaus. Große Firmen wie der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich und Hummel-Küchen siedeln sich an. Friedrichsgabe wird mit Heiner Fischer, dem späteren Bundestrainer, zum „Dorf der Geher“. Politisch wehrt sich die Gemeinde lange gegen den Zusammenschluss unter dem Dach Norderstedts. Heute wird das soziale Leben aufrechterhalten durch den Friedrichsgaber Sportverein, die Feuerwehr und die Kirchengemeinde. Friedrichsgabe bleibt auch in Zukunft dran: Im Jubiläumsjahr beschließt die Stadtvertretung die U-Bahn-Linie von Norderstedt-Mitte zur heutigen AKN-Station Quickborner Straße, ehemals Friedrichsgabe-Dorf, zu verlängern.

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