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Haspa Immobilien 9/2018

Wohnen mit Bodenhaftung

Für zwei Drittel der Deutschen muss die eigene Wohnung gemütlich sein. Das Empfinden ist dabei natürlich individuell verschieden, doch gibt es gegenwärtig einen großen Trend – den Landhausstil 2.0.

Einladend: Organische, nicht scharfeckige sofaformen, am liebsten in pastelligen naturtönen, liegen im Trend Foto: VDM/COR
Einladend: Organische, nicht scharfeckige sofaformen, am liebsten in pastelligen naturtönen, liegen im Trend Foto: VDM/COR
In der heutigen, eher schnelllebigen Zeit ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen im eigenen Zuhause Echtes und Authentisches wollen. Mit einer organischen Formensprache, glaubwürdigen Materialien und warmen Farben können sich viele besser identifizieren als mit schlichten, kantigen, kühlen Möbeln und Einrichtungsgegenständen. „Mit einer ungekünstelten Einrichtung bekommen die Menschen das ersehnte Gefühl von Bodenhaftung in die eigenen vier Wände. Beim Wohnen geht es heute um die Sehnsucht nach Echtheit, Wärme, Geborgenheit und Identität, also um all die Dinge, die die Digitalisierung genau nicht bietet“, sagt Ursula Geismann, Trendanalystin beim Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM).

Bunter Mix

Der sogenannte Landhausstil ist ein alter Bekannter. Er entstand im England des 18. Jahrhunderts. In den schlossartigen Landhäusern des Adels und Bürgertums ergab sich wegen der typisch englischen Sammelleidenschaft ein bunter Mix gerne aus geschnitzten Eichenmöbeln der Renaissance, vergoldetem Stuck des Barocks, Damastdraperien des Rokokos und den üppigen Polstermöbeln des Regency. In der Folge entwickelte sich daraus der Landhausstil als eine ungezwungene, aber doch kulturverbundene Melange.
Das Beste und Schönste

Die Beliebtheit der Mixtur ergriff anschließend zunächst Skandinavien, um von hier aus auch Deutschland und das übrige Europa zu erobern. Der Landhausstil entwickelte sich über Jahrzehnte mit seinen idyll-romantischen, teilweise idealtypisch-skandinavischen Elementen. „Wir sprechen heute von Landhaus 2.0, da die Möbel, Einrichtungsgegenstände, Dekorationen und Heimtextilien, sprich die ganze Wohnungseinrichtung, nicht mehr nur skandinavischen Stilelementen folgt, sondern vielmehr aus aller Welt das Beste und Schönste vereint“, so Geismann.

Klare ansage: Möbel und Dekorationen sollen möglichst aus echten und damit authentischen Materialien bestehen Foto: VDM/Koinor
Klare ansage: Möbel und Dekorationen sollen möglichst aus echten und damit authentischen Materialien bestehen Foto: VDM/Koinor
Inspiration fürs Wohnen

Ein wichtiger Grund für die Entwicklung hin zum Landhaus-2.0-Stil ist übrigens das Reisen. Reisen ist für die allermeisten Menschen Inspirationsquelle für das eigene Wohnen. Wer reist, nimmt viele unterschiedliche Impulse auf: das professionell eingerichtete Hotelzimmer, den Stil der Restaurants und Bars, die Accessoires und Dekorationen anderer Kulturen.

Insgesamt werden in der kommenden Saison mehr organische Formen vor allem im Sitzmöbelbereich auf den Markt kommen. Organisches Design orientiert sich immer auch an der Natur. Dynamische Rundungen und kraftvolle Wölbungen treten als auffällige Merkmale hervor. Organisches Design ist weich und grenzt sich daher deutlich von geometrischen und sachlichen Formen ab. Bei den Accessoires sind es Treibholz, Muscheln, Sand oder mundgeblasen anmutende Glasvasen mit zarten Farben. Bei den Heimtextilien punkten Leinen, Seide und grob gewebte Baumwolle. Wollfilz, Leder, Samt und Cord zählen zu den aktuell beliebten und natürlichen Bezugsstoffen. Bei allen weiteren Möbeln hat echtes Holz Hochkonjunktur. Auch Echtholz-Furnier als Oberflächenfinish ist wieder im Kommen.

Das eigene Zuhause wird behütet, gestaltet und geliebt. Das eigene Zuhause wird einmal mehr zur Enklave von Zwanglosigkeit – und bietet als Rückzugsort zugleich Schutz. Heile Welt 2.0 eben.

RECHTLICHES

Büro in der Küche?

Wenn ein Steuerzahler einen angeblich beruflich genutzten raum unter anderem mit einer Küchenzeile ausstattet, dann steigt für ihn nach Information des Infodienstes recht und steuern die gefahr, dass der Fiskus nichts mehr von einer Betriebsstätte wissen will – und demnach die steuerliche anerkennung verweigert.

Wohnen mit Bodenhaftung Image 4
Im konkreten Fall erklärte ein selbstständiger Steuerfachwirt einen Raum zum Ort seiner Tätigkeit, der mit Büromöbeln – darunter Schreibtische und Regalschränke – und gleichzeitig mit einer Küchenzeile ausgestattet war. Für den Bürobereich machte er knapp 3400 Euro steuerlich geltend. Doch damit war er weder gegenüber dem Finanzamt noch gegenüber dem Finanzgericht erfolgreich. Beide wollten hier angesichts der Kombination aus Büro und Küche und der daraus folgenden gemischten Nutzungsweise nicht von anerkennungsfähigen Betriebsausgaben ausgehen.

Das Urteil: Nur wenn ein Raum „ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einkünften genutzt wird“, so der Bundesfinanzhof, könne man von einer Betriebsstätte sprechen. Es gehe darum, dass solch eine Örtlichkeit „vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten“ diene. Doch hier habe man den Raum zudem nur durch das Durchqueren eindeutig privater Räumlichkeiten erreicht. Es fehle an einer „nach außen erkennbaren Widmung“ dieses Zimmers für den Publikumsverkehr.

(Bundesfinanzhof, Aktenzeichen III R 62/11)

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