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Themenwelten Hamburg
Menschlich

Eine ungewöhnliche Partnerschaft

Birte Reimers und Volker Schmidt überwinden so manche Schwierigkeiten. Die Rollstuhlfahrerin und der Asperger-Autist sind seit sieben Jahren ein Paar. Birte lebt in einer Wohngruppe in Allermöhe, Volker in einer Wohngemeinschaft in Horn. Beide arbeiten in verschiedenen Bereichen des Rauhen Hauses

Birte Reimers und Volker Schmidt lieben es, unterwegs zu sein Foto: Ulrike Großbongardt/Das Rauhe Haus
Birte Reimers und Volker Schmidt lieben es, unterwegs zu sein Foto: Ulrike Großbongardt/Das Rauhe Haus
Bei der Pflege braucht Birte Unterstützung. Ihr Lebensgefährte hilft, wenn mal kein Pfleger zur Stelle ist. „Das ist für mich auf Ausflügen kein Problem“, sagt Volker. „Birte zum Beispiel bei einer Toilettenaktion zu helfen, gibt mir ein Helfergefühl.“ Ist Volker aufgrund seines Autismus überreizt, geht er auf Abstand, oft ohne vorherige Ankündigung. „Dann lasse ich ihm erst mal Zeit, sich zu beruhigen. Solange er allein sein möchte, telefoniere ich“, sagt Birte. „Nach fünf bis zehn Minuten finden wir dann wieder zusammen.“ Probleme gibt es auch manchmal bei den Mahlzeiten. Da ist es eigentlich selbstverständlich, dass man die anderen, die mit am Tisch sitzen, fragt, ob sie auch noch Nachschlag möchten. Volker aber fragt nicht, sondern bedient sich einfach. „Mein Fokus ist dann beim Essen“, gesteht er ein. „Dann kommt mein Auti-Egoismus, wie ich es nenne, durch.“

Wenn Birte verreisen will, muss sechs Wochen vorher ein Antrag bei der Pflegekasse eingegangen sein, damit man genug Zeit hat, einen Pflegedienst am Übernachtungsort zu finden. Das ist nicht immer leicht, zumal einige Pflegedienste kaum Kapazitäten frei haben. Auf den letzten Reisen hat es aber gut geklappt. Und noch so ein Problem: Was tun, wenn ein Aufzug nicht funktioniert? Da kennen sich die beiden jedoch aus. Ist zum Beispiel der am S-Bahnhof Allermöhe außer Betrieb, weichen sie auf Nettelnburg oder Bergedorf aus.
Reisen mit Rollstuhl

Aufregend kann es für einen Rollstuhlfahrer auch auf einer Bahnfahrt werden. Wenn Birte mit ihrem Schieberollstuhl unterwegs ist, geht das Ein- und Aussteigen mit der Muskelkraft starker Helfer. Sitzt sie aber im E-Rollstuhl, der ein Eigengewicht von 180 Kilo hat, braucht es einen Hublift. Schwierig wird es an Orten, an denen die Ver- und Entladung von Fremdunternehmen durchgeführt wird. Wenn dort die Hilfe nicht bestellt ist, müssen E-Rollstuhlfahrer mit dem Zug zur nächsten Station, wo Mobilitätspersonal vorhanden ist, weiterfahren.

Birte und Volker fahren regelmäßig zur Messe Reha- Care International nach Düsseldorf. „Bei meiner ersten Fahrt hatte ich noch Angst und wollte abends zurück nach Hamburg“, erzählt Birte. Aber dann stellte sich heraus, dass der letzte Zug bereits abgefahren war. Volker nahm sie beruhigend in den Arm und so konnte Birte doch einigermaßen schlafen. „Ohne meinen Freund geht es nicht“, sagt sie. Immerhin ist sie letztes Jahr am ersten Weihnachtstag zum ersten Mal alleine mit einem ICE von Hamburg nach Göttingen gefahren – und sicher angekommen!
  

Unterstützungsangebote für Menschen mit Autismus


Wie will ich wohnen und wo? Diese Frage ist für alle Menschen spannend, aber besonders für die, die unter den Auswirkungen von Autismus leben müssen, wie Volker Schmidt. Es gibt viele Arten von Autismus. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Die Kommunikation mit anderen fällt den Betroffenen meist sehr schwer. Aufgrund langjähriger Erfahrung und dank vielfältiger, individuell angepasster Wohn- und Unterstützungsangebote kann das Rauhe Haus ihnen eine hohe Lebensqualität ermöglichen. Jetzt bietet man Menschen aus dem Autismus-Spektrum, die mit einer ambulanten Unterstützung gut allein leben können, ein neues Modell an: Wohnen und Leben in einem Verbund von mehreren Wohnungen im Stadtteil. Damit ist die Möglichkeit gegeben, einerseits eigenständig zu leben und andererseits die nötige Unterstützung verlässlich im Hintergrund zu haben. Schwerpunkte für dieses Angebot liegen zukünftig in den Stadtteilen Barmbek, Wandsbek, Dulsberg, Farmsen-Berne und Tonndorf. 
Weitere Informationen gibt es in der Beratungsstelle Wegweiser des Rauhen Hauses, Dehnhaide 20. Ansprechpartnerin ist Syscha von Reckow, Telefon: 53 00 52 20, E-Mail an wegweiser@rauheshaus.de
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